Musik: Giant Sand hören auf

Anfang Februar wurde es offiziell. Nach 30 Jahren löst Howe Gelb die Band „Giant Sand“ auf. Für viele Leute wahrscheinlich eine Marginalie oder Auslöser der Fragekette „Howe wer?, Giant was?“, für mich persönlich eine einschneidende Meldung.

Die Band hat mich über viele Jahre hinweg begleitet. Sie hat sogar dazu beigetragen, dass mein musikalischer Horizont Anfang/Mitte der 90er Jahre sich wöchentlich überschlug, ineinanderfaltete, wieder entfaltete und expandierte. Geboren und aufgewachsen in einer niedersächsischen kleinen Großstadt gab es an musikalischen Ereignissen nicht viel, was 16-jährige begeisterte. 1995 spielten Giant Sand ein Konzert in eben dieser Stadt, ich hatte zumindest den Bandnamen schon mal gehört oder gelesen und so war mein Interesse geweckt. Musikalisch lag die Band genau auf meiner damaligen Wellenlänge. Ich hatte ein starkes Faible für Neil Young und Gitarren-Feedbacks. Viel beeindruckender als die Musik war allerdings die Bühnenpräsenz von Howe Gelb. Sehr charmant und witzig geleitete er durch das Konzert, redete mit dem Publikum und bediente sich keiner der üblichen „Mucker“-Klischees. Keine Flitze-Finger-Solos auf der Gitarre, keine Posen.

Im gleichen Jahr kommte ich dann noch einen Solo-Auftritt von Howe Gelb erleben, der nicht weniger beeindruckend war. Der Auftrittsort war wesentlich kleiner als beim Giant Sand-Konzert. Die Bühne bestand aus einem 10 Zentimeter erhöhten Podest und darauf gab es nichts, außer einem Stuhl. Da es anscheinend auch keinerlei Backstage-Räumlichkeiten gab, erschien Herr Gelb einfach mit Jacke und Gitarrenkoffer am Publikumseingang, bahnte sich seinen Weg durch die wartenden Gäste, hängte die Jacke über den Stuhl, öffnete den Gitarrenkoffer und spielte 90 Minuten Musik. Einfach und ehrlich.

Auch später besuchte ich regelmäßig Giant Sand-Konzerte. Nicht so sehr, weil ich die letzte Platte so toll fand (meistens kannte ich die gar nicht), sondern eher weil ich wußte: Es wird wieder so wie früher 🙂

Howe Gelb wird weiter Musik machen, ich werde mir auch bestimmt weiter seine Solo-Shows ansehen, aber trotzdem schließt sich sozusagen ein Kapitel meiner gelebten Musikentwickung.

Vielen Dank, Howe Gelb, für die schöne Musik und die schönen Erinnerungen.

Anbei noch ein historisches Zeitdokument, das Musikvideo von „Yer Ropes“